Wiefelspütz

Wiefelspütz ist ein aufrechter Mann. Wiefelpütz hat eine Meinung und vertritt sie schlicht und einfach. Seine Meinungen flattern zwar wie eine Fahne im Wind, je nachdem wo der Populismus gerade herweht. Aber die Fahne bleibt immer an der gleichen Fahnenstange und die heißt Wiefelspütz, ein aufrechter Mann.

Er ist natürlich gegen Kinderpornografie. Wer ist das denn nicht? Ein sicheres Gebiet. Da kann man den mahnenden Finger erheben und seine Meinung laut in die Gegend brüllen. Das ist ihm aber nicht genug. Wieso nur Kinderpornografie? Der gesamte Bereich des Kriminellen ist zu bekämpfen und dort besonders verfassungsfeindliche Umtriebe und Leute, die islamistisches Gedankengut verbreiten.

Herr Wiefelspütz weiß nicht nur, was jeweils verfassungsfeindlich und islamistisch ist, er weiß auch, wie man deren Umtriebe essentiell stört. Die treiben sich in diesem subversiven Internet herum. „Sperren!“ hallt der Ruf von der Fahnenstange.

Herr Wiefelspütz ist so sehr damit beschäftigt, seine jeweilige Meinung in die Republik hinauszukrächzen, dass er nun wirklich keine Zeit mehr hat, sich darum zu kümmern, was das bedeutet, was er da von sich gibt. Sich zu informieren, wie das Internet eigentlich funktioniert und ob solche Internetsperren überhaupt einen Sinn haben, das ist ihm verwehrt. Als einfach gestrickter aufrechter Mann mit einer jeweils festen Meinung kommt es ihm gar nicht in den Sinn, etwas tiefer in eine ihm fremde Materie einzusteigen. Warum auch? Es gibt genügend Menschen im Land, denen das Internet ebenso rätselhaft ist wie ihm. Auf diese Unkenntnis kann man bauen, auch wenn man damit Zensur einführt und den Bestrebungen einer Frau Merkel via Schäuble, die Überwachung der Bürger auszuweiten und Salamischeibchen für Salamischeibchen die Bürgerrechte auszuhöhlen., dient. Aufrecht und so gerade und so weit denkend, also bis zu nächsten Wegbiegung, wie es Herrn Wiefelspütz vergönnt ist, gibt er sich der Sache, die er nicht versteht und deren Folgen er erst gar nicht versucht zu ergründen, aufrecht hin.

Anders als Don Quichotte kämpft er nicht gegen Windmühlen, seine Feinde sind schon existente Verbrechen, aber er schüttet das Kind mit dem Bade aus und weiß nicht, dass die Lanze, mit der er stolz und unbeirrt auf den Feind losgeht, nichts ausrichten kann und er weiß nicht, dass er mit seinen anachronistischen Getue der Demokratie einen Bärendienst erweist.

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2 Antworten zu “Wiefelspütz”

  1. Internetsperren 06.06.2009: Artikel und Kommentare « Wir sind das Volk Sagt:

    [...] gnogongo: Wiefelspütz [...]

  2. Kinderpornographie: Vom Feinsten | SALAAZY.ORG Sagt:

    [...] Wiefelspütz und Co. – gnogongo.de [...]

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