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Tabak

Samstag, 24. Mai 2008

Nicotinia tabacum – Solanaceae

 Tabak ist schon eine fähige Pflanze. Ich höre gerade, dass Tabak 4.000 verschiedene Giftstoffe enthalte. Selbst wenn da zwei drei zuviel gezählt worden sind, um törichte Menschen wie mich, davon abzuhalten, dem Laster des Rauchens weiter zu frönen, muss man anerkennen, dass da auf kleinstem Raum eine erstaunlich vielseitige Chemiefabrik zugange ist. Bayer, BASF, Dupont oder wie sie alle heißen, würden Milliarden dafür geben, so kompakt und effektiv produzieren zu können.

Was den Gebrauch der Pflanze betrifft, waren Indianer in der Heimat der Tabakpflanze eher klug als konsumfreudig. Sie hatten zwar erkannt, dass man die getrockneten Blätter der überall um sie herum vorkommenden Pflanze rauchen konnte und dass das seine Wirkung hatte, rauchten dieses Kraut allerdings nur zu kultischen Handlungen. 

Früher soll das bei unseren Vorfahren in Hinsicht auf alkoholische Getränke ähnlich gewesen sein. 

Der Genuss von Rauschgiften war entweder Eingeweihten und/oder einer Oberschicht vorbehalten. Angesichts der damaligen Gesellschaftsformen ein sicherlich sinnvolles Verhalten. 

Heute herrscht Demokratie. Dabei wird vorausgesetzt, Demokratie kann nun mal nicht anders funktionieren, dass alle Mitglieder der Gesellschaft aufgeklärt sind. Wie anders wären sie in der Lage, eine kluge Wahl zu treffen?

Wie wir feststellen müssen, ist das mit dem Aufgeklärtsein, man nennt es auch Bildung, nicht so weit her. Daran krankt sowohl unsere Demokratie wie auch die Angemessenheit des Gebrauchs früher nur wenigen zugänglicher Stoffe und Mittel. 

Gerade die am wenigsten Urteilsfähigen hauen sich den Kopf mit gefährlichen Stoffen voll. Da sich viel Geld damit machen lässt und die Stoffe beliebig und jederzeit konsumiert abhängig machen, was den Kunden bindet, hat sich um die Stoffe eine Industrie entwickelt, die eigentlich mafiös ist und verboten gehörte. Verbieten könnte das der Staat. Doch der hat sich etwas Anderes einfallen lassen.

Er beteiligt sich an dem Geschäft. Alkoholsteuer, Tabaksteuer heißen die Pfründe, die ordentlich Geld in die Staatskasse spülen. Dieses Mafiaverhalten wurde nicht von demokratischen Staaten eingeführt sondern von Fürsten, Kaisern und Königen. Das Geld floss somit nicht zugunsten der Allgemeinheit in die Staatskassen sondern unmittelbar in die Kassen der Potentaten. Anfangs wurde in der Einsicht, dass Tabak hoch giftig ist, der Konsum sogar verboten. Doch dann entdeckte der Staat, bzw. die Herrscher, dass man mittels Steuern sein Säckel füllen konnte. Dabei ist es dann geblieben. 

Heute leben wir in einer Demokratie und sind selbst alle kleine Potentaten. Was den Staat bzw. dessen Diener betrifft, verstehen sie sich, das wird vom Volk in seiner Obrigkeitsgläubigkeit ähnlich gesehen, immer noch als über dem Volk stehende Macht mit besonderen Privilegien. Das gilt auch, wenn sie aktuell mal eine Erhöhung ihrer Einnahmen nicht durchsetzen konnten. Da bricht noch nicht die hehre Demokratie aus. Die Diener wissen sich schon als Herren aufzuführen und seien es Damen. Nebenbei: Der Tabakanbau wird in der EU mit 1 Milliarde € subventioniert. Die Tabaksteuer generiert nach der Energiesteuer die zweithöchsten  Verbrauchssteuereinnahmen. 14,3 Milliarden € im Jahr 2007. 

Der Staat gehört also mit zur Drogenmafia. Nicotinia tabacum beweist hier nicht nur, dass sie auf nahezu wundersame Weise, Gifte produzieren kann, sondern wirkt darüber hinaus vergiftend auf die Politik. Geschäftemacher wissen das zu schätzen und sehen im Tabak einen engen Verbündeten, den es zu hätscheln und zu pflegen gilt. So kommt es, dass wir entgegen besserer Einsicht und weniger klug als die ‚dummen’ Indianer dem Gift verfallen. Ich gehöre dazu. Wie elend das ist, wusste ich nicht, als ich was immer mir beweisend als Kind mit dem Rauchen anfing. Wir standen damals vor Verboten. Es gibt kaum etwas Verlockenderes, als Verbote  zu missachten. An Aufklärung, Bildung, herrschte großer Mangel. Heute noch wird der drohende Zeigefinger gezeigt und Wissen nur in geringem Maße vermittelt. 

Rauchen kann tödlich sein, heißt es. Das Leben ist tödlich. Will man das Leben abschaffen? Dumme Sprüche bringen uns nicht weiter. Heute rauchen wir, damit die Republik am Hindukusch verteidigt werden kann. 

Dabei hat die Evolution die Tabakpflanze nur in die Lage versetzt, Fraßfeinde abzuwehren.  

Nachtrag: Auszug aus der die Tabaksteuer betreffenden Verlautbarung des Bundesfinanzministeriums.

Als sich im Dreißigjährigen Krieg der Tabakgenuss rasch über Deutschland ausgebreitet hatte, versuchte man ihn zunächst durch Landesverbot zu verhindern (z.B.1652 in Bayern), ging aber vom Ende des 17. Jahrhunderts an zur fiskalischen Nutzbarmachung des einheimischen Rohtabaks in der Form von Staatsmonopolen oder von Luxussteuern (Tabakakzisen) über. 1819 führte Preußen eine Gewichtsteuer auf Tabakblätter, 1828 eine Flächensteuer ein, die Grundlage eines „Tabaksteuerverbandes“ mit mehreren nord- und mitteldeutschen Staaten und 1868 des ganzen Deutschen Zollvereins wurde. 1871 in die Zuständigkeit des Reiches übergegangen, folgte – nach vergeblichen und später wiederholten Versuchen Bismarcks zur Einführung eines Reichstabakmonopols – 1879 eine Reichstabaksteuer in Form einer Gewichtsteuer, zu der 1906 eine Fabriksteuer für Zigaretten (auf der Grundlage des Kleinverkaufswertes) in der Form einer Banderolensteuer trat. Dieses System ist in den folgenden Gesetzen von 1919, 1939 und 1953 ausgebaut worden. Seit 1949 wird die ehemalige Reichssteuer als Bundessteuer fortgeführt. Das Änderungsgesetz von 1971 hat das Tabaksteuerrecht wesentlich vereinfacht, den veränderten wirtschaftlichen Verhältnissen angepasst und das Steuersystem für Zigaretten EU-gemäß gestaltet. Mit dem Tabaksteuergesetz 1980 sind die Begriffsbestimmungen für Tabakwaren gemeinschaftlich geregelt worden. In allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union hat die Tabaksteuer in etwa die gleiche erhebliche wirtschaftliche und fiskalische Bedeutung. Ihre Harmonisierung in der EU wurde durch Richtlinien des Rates von 1972 eingeleitet und mit Verwirklichung des Binnenmarktes zum 1. Januar 1993 fortgeführt.