Feinstrahlaster

erigeron1.jpg

Erigeron anuus – Asteraceae

Nachdem Iggy darauf aufmerksam gemacht hat, dass die Kornblume von den Feldern verdrängt jetzt auch ihren Platz in der Stadt gefunden hat, kann ich hier über eine weiteren Gast berichten, die Feinstrahlaster.

Man konnte sie zwar hin und wieder schon auf Schuttflächen und solchen Flächen, deren Erde kürzlich bewegt wurde, also auf Ruderalflächen sehen, aber jetzt findet man sie auch als Bewohner von Fugen und Spalten.

erigeron2.jpg 

Wie viele der Pflanzen, die diese beengte Situation gewählt haben, wächst sie sehr gedrungen. Anstatt einen guten Meter hoch zu wachsen, erreicht sie hier gerade mal 20 Zentimeter. Doch die Blüten zeigen sich in der normalen Größe. Gerade in solch einer Situation beweist sich, dass Arterhaltung das obere Prinzip des Lebendigen ist. Die Bienen und andere Bestäuber müssen nicht umlernen.

Die Feinstrahlaster ist aus Kanada bei uns eingewandert und inzwischen hier eingebürgert. Wir sehen sie auf dem Bild neben einem nahen Verwandten mit der gleichen Heimat, dem inzwischen bei uns zur Allerweltspflanze gewordenen Kanadischen Berufskraut.

Die Situation ist die eines ‚toten’ Winkels zwischen einem Büdchen und einer Trattoria, d.h. dieses kleine Pflanzeneldorado liegt wenn auch unmittelbar neben aber dann doch nicht auf dem übrigens stark genutzten (Büdchen gibt es nur da, wo viele Primaten der Sorte homo sapiens sich aufhalten oder herlaufen) ‚Wildwechsel’ des homo sapiens urbanensis. Man kann gut sehen, wie sich eine kleine Ansammlung organischer Substanz aus vergammelnden Blättern und ebensolchen Platanensamen gedüngt durch den Staub und Dreck der Straße von den Pflanzen am Verwehen gehindert bildet. So funktioniert das. So besorgen Asylanten sich ihr zu Hause, bevor sie sich assimilieren und Parks und Gärten erobern (die Feinstrahlaster ist längst in gärtnerische Kultur und in unterschiedlichsten Sorten im Gartencenter zu erwerben) oder eben zwischen den Fugen der Stadt für immer bessere Lebensbedingungen sorgen.

Es sind kleine und kleinste Nischen der unterschiedlichsten Art, die in der steinernen Wüste der Stadt eine Artenvielfalt hervorbringen, die nur mit der floralen Vielfalt des jugoslawischen Karstgebirges zu vergleichen ist, wo vor einem Stein etwas völlig anderes wächst als hinter dem Stein oder nebenan in der kleinen mit Humus gefüllten Mulde, während die intensiv vom Menschen genutzte Landschaft verödet.

Sucht man das, was man so gemeinhin als Natur betrachtet, dann fährt man nicht mehr aufs Land, sondern macht seine Augen in der Stadt auf und betrachtet sich selbst als darin Eingebundener. Die Vielfalt, die einem hier begegnet, übertrifft die einer Acker- und Viehwirtschaftslandschaft um mehr als das Zehnfache.

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.