Ich habe meine Ratte noch nicht gesehen

Laut Medienberichten kommt in Düsseldorf auf jeden Einwohner eine Ratte. Zum Thema wurden die Ratten in Düsseldorf dadurch, dass sich im Jahr 2016 des Allwissenden und Allmächtigen an der Heinrich Heine Universität im Bereich zwischen Mensa und Cafeteria Ratten zu unübersehbaren Rudeln zusammengefunden haben. Man nimmt an, dass umfangreiche Bauarbeiten im Uni-Bereich dazu geführt hatten.
Selbstverständlich kann nicht jedem Düsseldorfer eine bestimmte Ratte zugerechnet werden. Es ist also illusorisch anzunehmen, dass man seine Ratte mit einem Namen belegt und sie hegt und pflegt. Da ist der Tierliebe, die oft als persönlicher Bezug zu possierlichen Haustieren und nicht als verantwortungsvoller Umgang mit der Natur beschrieben wird, ein Riegel vorgeschoben.
Aber man wolle gar keine Ratte zu seinen umsorgten Kuscheltieren zählen, wird man mir entgegen halten. Schon recht so. Aber dafür haben andere ein umso größeres Herz für die nagende Kreatur und nennen gerne eine Vielzahl der nacktschwänzigen, klugen Tiere zu ihren Pfleglingen. Das ist auch gut so. Denn die Rattenpflege bedarf gewisser Sachkenntnis. Die Ratte ist zwar ein Kulturfolger aber auch ein wildes, ungebändigtes Tier. Der Betreuer einer Ratte muss vermeiden können, dass z.B. Kleinkinder von Ratten angefressen werden und noch viel mehr.
Auf der anderen Seite können Ratten das Müllproblem lösen helfen. Viele der organischen Abfälle aus dem Haushalt können als Rattenfutter dienen. Es ist also nicht notwendig, extra Rattenfutter zu kaufen. Man wird ihnen durchaus gerecht, wenn ihnen Döner-und Pizzareste, Grünabfall von Kohlrabis, Wirsing, Chinakohl, eingetrocknete Wurstreste, hart gewordene Brötchen und schon mal sich vor Trockenheit aufwölbende Schinkenreste gereicht werden. Auch misslungene Pekingenten und das was man vom Seehecht selber nicht essen mag wie beispielsweise Kopf und Schwanz verschmähen unsere sauberen Allesfresser nicht. Tunfisch- Makrelen- und Sardinen dosen werden von ihnen ebenso gerne und sauber ausgeschleckt wie mit Essensresten behaftete Katzenfutterdosen. Diese können dann mit einem viel besseren Gewissen dem Recycling zugeführt werden. Apropos Katzen. Was heutzutage an Katzen im Haushalt gehalten wird, ist für die Ratten ungefährlich. Die possierlichen Schmusetiere erschrecken eher beim Anblick einer Ratte, als dass sie auch nur auf die Idee kämen, diese zu jagen. Vorsicht ist nur geboten, wenn sich Falken in der Umgebung eingenistet haben. Man soll Falken gesehen haben, die tatsächlich Ratten zu ihrer Beute machen. Die Tierliebe von Falken hat ihre ganz eigene Ausprägung.
Düsseldorf mit seinem ausgeglichenen Verhältnis von Ratte und Mensch ist somit geradezu ein Eldorado für diejenigen, die ihrer Tierliebe überschwänglichen Ausdruck verleihen wollen und sich nicht scheuen, entsprechende Fachliteratur zu wälzen und sich zu bilden. Nag’ nag’.

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