Kein Platz für Eitelkeiten

Mal wieder was aus der grünen Ecke. Das kennt Ihr ja inzwischen von mir. Dies harmlosen. Kleinen Geschichten.

Es gab mal eine Zeit, in der beklagte man die „zubetonierte“ Landschaft. Beton und Asphalt, Bauten, Dächer, Dachrinnen, Ableitung des Wassers unmittelbar in die Kanalisation mit der Folge, dass der notwendige Kreislauf von Wasser als Niederschlag, Verbrauch durch Pflanzen, Tiere und Menschen und dann wieder Verdunstung gestört ist. Das stimmt immer noch und ist ernst zu nehmen.

Inzwischen feiert man die die gewaltigen eisernen und steinernen Industrieruinen besiedelnde und diese überwuchernde Vegetation. Jeder Quadratzentimeter noch so vergifteter, noch so verfestigter Boden, jede Ritze, jeder Spalt bietet Platz und Nahrung für neue Pflanzengesellschaften. Schafft die heimische Vegetation es nicht, wieder Besitz von der veränderten Landschaft zu nehmen, dann erledigen das eben Neophyten. Eine bemerkenswerte Parallele zur Ökonomie, bei der ja ebenfalls gerade die unangenehmeren Felder, die kleinen Lücken von fleißigen, zähen Neubürgern genutzt und zum Blühen gebracht werden.

Stirbt die alte, industrielle Welt, so ergeben sich einerseits gigantische, in rostigem Charme und neuer Illumination genutzte und bewunderte Abenteuerspielgerüste oder aber sie verschwindet, wenn sie nicht abgerissen und Grund und Boden neuen Aufgaben zugeführt werden, wie einst die Städte, Tempel und Pyramiden der Atzeken dezent unter einem neuen grünen und lückenlosen Mantel. Asphalt zerbricht und wird von hartnäckigen Pflanzen und deren Wurzeln weiter gesprengt. Und auf weniger leicht zerstörbaren Steinflächen wiederholt sich die gesamte Evolution, sichtbar werdend in Form von Flechten, Moosen, Farnen und dann doch wieder höheren Pflanzen.

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