Raucher im Wartehäuschen

Ich setzte mich zu einer Frau auf die Bank in ein Wartehäuschen der Straßenbahnen. Sie hat eine Zigarette im Mund und fingert an ihrem Feuerzeug herum. Es zündet nicht.
Mit den Worten: „Kann ich Ihnen helfen.“ Reiche ich ihr meines. Sie bedankt sich und zieht zufrieden an ihrer Zigarette. Ich hole meine Tabakpackung hervor und beginne, mir eine zu drehen. Jetzt nestelt sie in ihrer Tasche und holt ein Zigarettenetui hervor, öffnet es und meint: „Wollen sie eine von meinen?“ Ich bedanke mich lehne das Angebot jedoch ab. „Aha, ein überzeugter Dreher.“ Lächelt sie mich an. „Och , das weniger. Ich bevorzuge halt dunkle Tabake“, sage ich. „Ich verstehe“, meint sie.
Eine zweite Frau, schlank, ohne hager zu sein, so vom spritzigen Typ, von der Art, bei der ich mir nicht sicher bin, ob ich so was länger als eine viertel Stunde aushalten könnte, kommt und setzt sich zu uns, steckt sich eine Zigarette in den Mund. Ihr Feuerzeug funktioniert. Sie sieht mich immer noch meine Zigarette drehen, verständigt sich ein wenig spöttisch mit der anderen Frau. Ich höre: „Der verschwendet seine Zeit mit Drehen“ Sie bietet mir ebenfalls eine ihrer Zigaretten an. Ich lehne wieder ab. „Das hat er schon bei mir gemacht. Der will seinen Tabak.“, sagt Frau 1.
Weiter drehend äußere ich: „Ach wissen Sie, ich bin in dem Alter, wo man Zeit hat“ „Ich habe nie Zeit“, fährt es aus ihr heraus. „Bei mir muss alles schnell gehen“ – „Welche Bahn ist das?“ „Die Neun.“ Sie springt auf, wurstelt sich durch den Schwall Menschen, der aus der Bahn strömt und steigt schließlich als eine der ersten in der Schlange der Wartenden in die Bahn.
Die andere Frau nimmt die nächste Linie und ich ziehe genüsslich an meiner selbstgedrehten Zigarette und freue mich darauf, zu Hause angekommen, in einen saftigen Plattpfirsich beißen zu können, von denen ich ein kg für 99 Cent gekauft hatte.

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0 Kommentare zu Raucher im Wartehäuschen

  1. Matti sagt:

    Kommt mir bekannt vor 🙂 schönes Ding.

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