Sternstraße

Da hier im Dorf nachts nur sehr sporadisch oder auch gar keine Straßenbahnen oder Busse fahren, ist das die Zeit, zu der neben dem Gebrauch der eigenen Gliedmaßen Taxis die einzige Möglichkeit darstellen, seinen von Alkohol und Rumgehopse malträtierten Körper den heimischen Kühlschränken und Betten zuzuführen. Hierbei spielt die Sternstraße eine wesentliche Rolle. Während die Taxis von der Altstadt aus, ihre Fahrgäste weit verzweigt in die Bettenburgen bringen, führt der Rückweg in die für den Taxifahrer lukrative, ja, Lebenselixier spendende Altstadt weitgehend über die Sternstraße. Im Rhythmus der Ampelschaltungen rast somit ein gelb leuchtendes Taxischild mit einem Auto unten dran, dessen Reifen lautstark peitschend auf sich aufmerksam machen, nach dem anderen durch die enge Straßenschlucht, deren von Häusern gebildeten Wände den Schall in einem kurzen aber heftigen Delay durch die Doppelverglasung der Fenster ins Zimmer drückt.
Die Geldmaschine Altstadt ruft und die Zeit, zu der sie es überquellend ausschüttet, ist begrenzt. Klar, dass die Taxifahrer dem entgegen jagen. So rauscht hier die Phalanx der Taxis mit 70 km/h über das mit zu dieser Uhrzeit ungenutzten Gleisschienen versehene Pflaster.
Das Trippeln der in ihren High Heels gestressten Damen kommt erst kurz nach 05:00h, wenn das Vergnügen Altstadt sein Ende gefunden hat und das Personal hinter den Bars von fleißigen. Kittel tragenden Frauen mit Besen, Wischmopp und Feudel abgelöst werden, die ersten Cafés zum Frühstück einladen und Dönerbuden dafür sorgen, dass nicht Knochen klackernde Skelette in den Gossen verenden sondern auch diese Körper irgendwann bekleidet oder unbekleidet auf Teppichen, Sofas und Betten dem nächsten, den Kopf ausschaltenden Ereignis entgegenatmen.

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