Wer sind die Idioten?

Wenn 30 Dügida-Idioten durch die Stadt spazieren, dann ist das ein Furz in der Landschaft. Gewicht bekommt das erst durch eine Hundertschaft Polizei und vor allem einer Heerschar von Gegendemonstranten. Die sind es, die die öffentlichen Verkehrsmittel stoppen und die Straßen versperren. Also was soll das? Wenn ihr dem Trupp der Spaziergänger begegnet, schaut Euch die namentlich leicht erfassbaren Geisteskrüppel an, bedauert sie oder lacht. Mehr Aufmerksamkeit sollte man ihnen nicht zukommen lassen. Das erspart uns auch einen Pulk von PC-Affen, die sich den Bauch streicheln, weil sie etwas vermeintlich Gutes tun und so sowohl Ihre Bedeutung hochfärben wie auch ein normalerweise schmerzlich vermisstes Zusammengehörigkeitsgefühl herbeiführen. Rosiger Schein. Und Bus und Bahn können ungehindert fahren.

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11 Kommentare zu Wer sind die Idioten?

  1. thomas sagt:

    Nein Richard, nein.

    Würden die Dügidas – die sind leider immer so gegen hundert, gestern die Pegidas waren keine 50 – also würden die Verwirrten irgendwo alleine auf einem Rübenacker im Kreis laufen, ohne Publikum, dann würde ihnen die angemessen Aufmerksamkeit zu Teil, nämlich gar keine.

    Aber so ist es leider nicht!
    Wenn dort auch nur einer steht und gegen die demonstriert, dann stelle ich mich daneben um sie oder ihn zu unterstützen.
    Die Verwirrten laufen auch mit voller Absicht durch das Bahnhofviertel, an Moscheen vorbei, an Geschäften die vielfach von Migranten geführt werden vorbei, ganz klar mit der Absicht zu provozieren

    Ich glaube nicht dass Du denen wirklich Deine Stadt überlassen willst!

    Nach den Morden bei Charlie Hebdo war es mir wichtig gegen Dummheit, Ausgrenzung, Rassismus und Intoleranz auf die Straße zu gehen, war es über 5000 Düsseldorfern wichtig auf die Straße zu gehen. Wenn ich das jetzt angefangen habe – dann bringe ich es auch zu Ende, dann werde ich den längeren Atem haben als die Verwirrten und so denken viele Andere und wir werden, wenn Dügida nicht mehr geht, unseren Sieg mit einem großen bunten und lauten Fest feiern.

    Trotz richtigem Sauwetters finden sich da immer 500-1000 Gegendemonstranten und die sind, Richard, nicht selbstgerechte Pc-sich-den-Bauch-streichler.

    Vielleicht kannst Du Dir mal bei einer der nächsten Gelegenheiten ein eigenes Bild vor Ort machen, das Ganze ist auch Foto-mässig durchaus ergiebig.

    Die Toten von Solingen, Mölln und anderswo, die Opfer des sogenannten „NSU“ mahnen uns, fordern und rufen uns zum Widerstand gegen diejenigen welche den geistigen Nährboden für Terror und Mord bereiten.

  2. Widerstand natürlich. Aber doch nicht, indem man deren Anliegen unterstützt, die scherzt einmal aufbläst. Die Millionen, die schweigend sowas wie Angst vor Überfremdung (wie sie es nennen) haben, erreicht man damit eh nicht. Denn das sind gar keine National-Extremen. Das Gegenteil ist der Fall. Die wollen mit den ‚Chaoten‘ der Gegendemonstranten nichts zu tun haben. Ein wahres Fressen für BILD & Co. und für die wahren Verbrecher, die sich die Hände reiben ob der willkommenen Ablenkung, die ihr der Öffentlichkeit bietet. Ich verweise auf http://www.arte.tv/guide/de/051622-000/macht-ohne-kontrolle-die-troika.

    • thomas sagt:

      Zu den Chaoten noch, die Kids, unsere Stadtindianer (ich mag die, meine Tochter ist wenig älter, die Kids haben noch den Mut, die Kraft und die Illusion die Welt zu verändern, sind bei Schietwetter auf der Straße und gucken eben nicht Dschungelcamp), also die Kids, sind nur ein kleiner Splitter des Widerstandes. Es sind dort sicher auch die üblichen politisch Aktiven, namentlich das ganze Spektrum um die Linkspartei, zu denen ich als Anarchist ein eher gespanntes Verhältnis habe, aber auch erstaunlich viele sehr bürgerliche Düsseldorfer mittleren Alters, die ansonsten eher politisch uninteressiert sind. Und auch viele Menschen mit Migrationshintergrund (scheiß Wort das), die sich von den Dügidas und all den anderen „Patrioten“ tatsächlich in Leib und Leben bedroht fühlen.

      Mitnichten nur Chaoten. Komm vorbei und guck selbst.

  3. thomas sagt:

    Die Form seines Widerstandes muss jeder selbst wählen. Ich geh ja nicht nur Montags demonstrieren, trillerpfeifen und mir die Stimme heiser rufen – ich schreibe nebenher auch recht viel dazu und mache noch einiges andere.

    Einer sehr bürgerlichen Mitdemonstrantin zu Folge, können die Dügidas (Pegida kommt wohl nicht noch mal) nur deshalb marschieren weil der Widerstand halbherzig ist. Zitat:“Aber in anderen Städten schaffen die das auch die zu blockieren. Warum nicht in Düsseldorf? Ich würde mich dazu setzen.“ das war eine Dame Ende 50, die möglicherweise irgendwann sogar den Elbers mitgewählt hatte. Das hat mir Mut gemacht.

    Ja es gibt auch andere, dringendere Probleme – Abkommen wie TTIP, Griechenland, Ukraine, Syrien, um nur einige zu nennen, ja.
    Gegen TTIP habe ich hier bei uns im Dorf agiert, schon vor der Europawahl.

    Gegen die Düdeldiedahs kann ich mit wenig Aufwand etwas tun und die Bewohner und Geschäftsleute im Bahnhofsviertel wissen dass die Gegendemonstranten auch für sie auf der Straße sind – ich habe durchweg nur positives Feedback von den Anwohnern erfahren.

    Jemand der nicht in der politischen Auseinandersetzung mit rechten Strukturen steht, wird damit die Dügidas zu ignorieren sicher nichts falsch machen.
    Jemand der in einer solchen Auseinandersetzung steht, der selbst immer wieder auch von Nazis bedroht wurde, der die Strukturen und Zusammenhänge schon länger beobachtet – der muss dagegen auf die Straße gehen, allein um zu verhindern dass die unzufriedenen, politik-verdrossenen und abgehangenen Mitbürger denen auf den Leim gehen.

    Vielleicht erschließt sich das was da geschieht, für Dich anders wenn Du es mal durch den Filter Deiner Kamera betrachtest.
    Wenn Du den Menschen mal ins Gesicht knippst.
    Oder ins Herz …

  4. Alles ehrenwert. Alles richtig. Ich sehe nur, dass durch diese Form des Widerstands der Sache eine Bedeutung zukommt, die sie nicht hat. Es reicht, dass ein paar Männekes durch die Stadt marschieren und die Innenstadt liegt lahm. Lass die doch marschieren und lach. Oder fühl Dich in die armen Trottel ein, die so ihre vermeintliche Anerkennung holen. Den Bahnhofsbereich abzusperren, Busse und Bahnen nicht fahren zu lassen, gibt ihnen genau das, was sie wollen und brauchen. Bedeutung.
    Ich kann mir vorstellen, mich in den Eingang eines von einem Türken oder Syrier oder was auch immer geführten Ladens zu stellen, ihm meine Solidarität zu versichern und besser mit noch einigen Weiteren den Laden zu schützen, wenn die Polizei es nicht schon tut. Den Idioten darüber hinaus Aufmerksamkeit zu schenken, halte ich für kontraproduktiv. Noch ein Wort zu der Vokabel ‚Chaoten‘ Ich meine nicht, dass Ihr Chaoten seid. Ich meine, dass ihr bei der schweigenden Mehrheit als solche angesehen werdet. BILD und auch mancher Fernsehsender arbeiten fleißig daran, Euch so darzustellen. Es handelt sich also nicht um das Sein sondern um die Rezeption.
    Ich brauch die Knallärsche nicht zu fotografieren. Die Polizei hat längst Bilder von allen und das zusammen mit deren Namen und deren Geschichte, also mehr, als ich je leisten kann. Veröffentlichen dürfte ich die Bilder eh nicht. Da verlöre ich jeden Prozess. Recht am eigenen Bild.
    Ich habe schon jede Menge Demos fotografiert. Ich weiß also, was ich wo wie machen kann. Zu Zeiten der Hausbesetzungen habe ich die verdeckt arbeitenden Polizisten in Zivilkleidung fotografiert und in der Hausbesetzerszene verteilt, damit sie wussten, welche Freunde da neben ihnen stehen. Das hielt ich für sinnvoll. Das Gleiche zur Punkzeit vor dem Ratinger Hof. Auch Bilder, wie die Polizei wahllos zuschlägt. usw. usf.

    • thomas sagt:

      „Ich kann mir vorstellen, mich in den Eingang eines von einem Türken oder Syrier oder was auch immer geführten Ladens zu stellen, … . “

      Super. Genau. Mach das. jeder muss die Form seines Widerstands selbst bestimmen.

      „Ich habe schon jede Menge Demos fotografiert.“
      Das meine ich nicht – ich meine die Menschen da. Zum Beispiel die gerade 20jährigen Kinder von den Einsatzhundertschaften, „Starshiptroopers“, Kindersoldaten.
      Unscharf die vielen Menschen, die LightBrigade vor der scharfen Silhouette Deines Hauptbahnhofs.
      Da wo sonst Autos fahren – Menschen. Viele Menschen. Viele Bilder.
      Ich erwarte nicht, dass Du da mitdemonstrierst oder irgendeine Position beziehst, ich möchte Dir nur mitteilen dass es da interessante Bilder gibt.
      🙂

      Ich geh nächsten Montag wieder hin.

  5. abdul sagt:

    ich teile richards bisher geäußerte ansichten ziemlich.
    lass die leute laufen und protestieren.
    ich selbst frage mich eher, warum sich auf einmal so viele leute aus meinem
    weiteren umfeld, die sonst als eher “konservativ“ einzustufen wären (thomas beschrieb die situation mit der möglicherweise-elbers-wählerin treffend), sich nun gegen pegida
    aussprechen und gar bereit sind auf die straße zu gehen.

    ich überlege hin und her, und habe neulich in einer unterhaltung den standpunkt
    zu hören bekommen, es gäbe leute, die sich die hände reiben, wenn das volk seine kraft für pegida demo’s verbraucht.
    wenn montagsmahnwachen auffallend kleiner werden, da die sonst
    dort aktiven, sich nun zu pegida gegendemonstrationen bewegen.

    für zwei demo’s am tag muss man erstmal zeit und lust haben.

    • thomas sagt:

      ich sehe da den gegenteiligen Effekt. Düsseldorf-stellt-sich-quer ist ja klar überparteilich und offen angelegt.

      Im Moment geht es gegen etwas.
      Dahinter stehen aber eine Reihe von Idealen und Vorstellungen, die sich Menschen, über Partei- aber auch soziokulturelle Grenzen hinweg, teilen. Da sind die Punks der 5., nein, der 8. Generation, da ist die ganze alte verottete Düsseldorfer DKP-Szene, da ist Neu-Links, da sind aber auch Piraten, Anarchisten, viele der in Parteien arbeitenden Migranten, aber eben auch Vertreter des bürgerlichen Düsseldorf. Und! sehr viele sehr junge Menschen die in keine der vorgenannten Kategorien passen, das finde ich gut und ich glaube dass da auch noch mehr geht.

      Die Anwohner des Bahnhofviertels begreifen dass die Gegendemonstranten ihre Interessen vertreten, grüßen einen freundlich, beteiligen sich an dem Protest.

      Zwei Demos am Tag wären mir zuviel. Ich komme mittlerweile auch mit dem Rad dahin, weil man dann eben mobiler ist. Macht auch Spaß mal mitten auf den gesperrten Straßen zu fahren …

  6. Tommy sagt:

    Ich bin – offen gesagt – auch hin- und her gerissen.
    Eigentlich sollte man das widerwärtige Häuflein faschistischer Hohlbirnen ignorieren. Jede Form der Aufmerksamkeit für diesen Abschaum ist zu viel.
    Auf der anderen Seite: sollen genau diese widerwärtigen Typen glauben, sie könnten in dieser Stadt ungehindert ihr faschistisches „Gedanken“gut auf der Straße verbreiten?
    Nein!
    Als ich das letzte Mal im Kreis der Gegendemonstranten dabei war, kam bei mir nur unbändige Wut hoch. Dieses Pack hat hier nichts, aber auch gar nichts zu suchen!
    Und ja – von mir aus soll die gutbürgerliche Presse mich als Teil der „Chaoten“ wahrnehmen.
    Ich (57 Jahre) habe mir in meiner Jugend geschworen, Nazis nie wieder einfach so marschieren zu lassen.
    Wann, wenn nicht jetzt, sollte ich diesen Schwur erfüllen?

  7. abdul sagt:

    wie das mit dem schwur ist, das musst du dir beantworten tommy.
    ob es das ist, was zu tun ist? ich würde nicht sagen nein, aber ich würde auch nicht
    ja sagen.

    ich habe schon einmal von der von mir beobachteten mangelnden zwischenmenschlichen ,,zivilcourage“geschrieben vor einigen beiträgen.
    heute ist ein mann vor meinen augen beinahe gestorben. ein alter mann in der innenstadt. er ist zusammengebrochen lag am boden, und die leute standen größtenteils seelenruhig drumrum.

    ich habe schon keinen puls mehr fühlen können, doch auf meine ansprechversuche ging es dann, er konnte den blick wieder etwas fokussieren.. krankenwagen gerufen etc., ich hoffe er lebt noch. für einen moment war
    ich vom gegenteil überzeugt.

    dann dachte ich auch, ich will niemals jemandem nicht geholfen haben, und ,, was denken sich denn die leute, dass sie nicht sofort zu ihm gehen und ihn ansprechen?“, aber wofür die aufregung? soll ich es ihnen vorwerfen?
    Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.
    soll Ghandi gesagt haben. hat mich mit 15 schon beeindruckt.

    heute glaube ich zu wissen: mehr als das, kann man nicht tun/verändern/bewirken.

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