An der Düssel

Steigt man aus der Buslinie 834 an der Clara Viebig Straße aus und wechselt über die Straße hin zum Brückengeländer über die Düssel so steht man neben einem Prachtexemplar eines Feldahorns. Mehrstämmig, wie es sich für einen Feldahorn gehört.

Heinrichstraße Feldahorn_bearbeitet-1

Zum feurigen Ereignis wird er im Herbst, wenn sich sein Laub in satten Geldtönen zeigt, und er sich so deutlich von dem umgebenden Grün abzeichnet.

Feldahorn Herbstfärbung Düssel_bearbeitet-1

Er muss sich während des Krieges oder kurz nach dem Krieg selbst dort ausgesät haben. Ich kenne ihn als kleines Bäumchen, kam ich als Kind doch jeden Tag auf dem Weg zur Schule dort vorbei. Er wird also etwa 70 Jahre alt sein.

Ähnlich verhält es sich mit den Linden, die dort an der Düsselböschung wachsen. Die Heinrichstraße war in diesem Teil an der Düssel derartig zerbombt, dass sie nicht befahrbar war. Weshalb gerade dort so viele Bomben niedergingen, bleibt mir ein Rätsel, gab es dort doch nur Schrebergärten und Getreidefelder. Auch diese Linden sind mehrstämmig und  nicht wie es sich für Alleebäume gehört Hochstämme.

Linde mehrstämmig_bearbeitet-1

Auf der Böschung runter zur Düssel in diesem Abschnitt wachsen auch Birken, Eschen und Weiden, die dort kein Gärtner hingesetzt hat. Die vielen Holunderbüsche, die dort einst wucherten, wurden inzwischen entfernt und es kommen auch keine neuen auf, weil die Böschung regelmäßig gemäht wird. Trotzdem wächst dort manche seltene und geschützte Pflanze. Letztere war im weiteren Verlauf der Düssel als Kittelbach wesentlich häufiger. Waren! Denn vor einigen Jahren wurde die Böschung dort radikal abgetragen, was den Kittelbach nicht nur zum Kanal degradierte sondern auch jede Menge pflanzliches und tierisches Leben eliminierte.

Aber ich gehe auf einem roten Ascheweg, der einmal ein Reitweg war, der bis zu den Reitställen in der Stadt führte, an ein paar im hohen Gras versteckten Bänken vorbei

Bank im Gras verborgen_bearbeitet-1

und sehe eines der Spaltwerke, welche die Düssel an mehreren Stellen der Stadt in viele Arme teilt, so dass ich gerne vom Düsseldelta spreche, wenn ich mir die verschiedenen Düsselarme in der Stadt vergegenwärtige.

Spaltwerk Düssel Kittelbach Heinrichstraße_bearbeitet-1

Hier wird die Düssel in Richtung Zoopark, wo sie den Zooweiher speist, durch den Hofgarten bis zur Rheinmündung in der Altstadt abgeleitet, während sie weiter geradeaus, jetzt als Kittelbach, durch den Lindendom der Heinrichstraße und an den Mercedeswerken vorbei fließt und schließlich weit im Norden, in Kaiserswerth, in den Rhein mündet. 

Kittelbach Heinrichstraße_bearbeitet-1

Wäre da nicht dieses Auto mit dem Bild einer lasziv daliegenden Pin-up Schönheit und der Reklame für einen Dolce-Vita Sauna-Club, ich könne mich ob des vielen Grüns, welches mich umgibt, irgendwo auf dem Lande fühlen.

Dolce Vita Saunaclub Transporter Bus_bearbeitet-1

Das Auto steht auf der anderen Straßenseite vor einem dichten Gehölzdschungel, der undurchdringlich erscheint  und in den einzudringen auch nur mit Mühe möglich ist. Macht man sich die Mühe, so wird man im Vorfrühling mit der Blüte von Tausenden Schneeglöckchen belohnt. So weit das Auge reicht ist der gesamte Boden des unterhalb des Straßenniveaus liegenden, feuchten Geländes mit eben diesen Schneeglöckchen bedeckt. Im Mai Juni blühen dort Sumpfiris und wilde Akelei. Am Rand wächst der Wasserdost.

Folgt man der Düssel, die nur knöcheltief und langsam dahinfließt, bewegt man sich auf einem Weg durch einen Streifen mit Bäumen bestandenen Streifen Grüns, welcher im Sprachgebrauch der Verkäufer und Vermieter von an mehreren Stelen der Stadt entstehenden und entstandenen sog. Quartiers euphemistisch Park genannt würde.

Düssel Grünstreifen_bearbeitet-1

Gemessen am ‚Maurice Ravel Park’ an der Marc Chagall Straße, dem ‚Quartier Le Flair’, ist das hier schon ein Wald und darin verborgen gibt es einen stillen Teich, dessen Wasser schwarz erscheint, da alles Licht von der Wasseroberfläche nahezu total reflektiert wird.

Teich schwarz_bearbeitet-1

In manchen Jahren baut hier ein Rallenpaar mitten im Wasser sein Nest aus Ästen und brütet dort. So schwarz wie die Rallen sind, sind sie auf dem schwarzen Wasser kaum auszumachen. Ein paar Schritte weiter trifft man auf zwei mächtige Platanen.

Lichtung Platanen_bearbeitet-1

Hier kann man sehen, welch stattliche Bäume die Platanen eigentlich sind; ganz anders als die Rheinischen Bonsai, wie wir sie als zurecht gestutzte Schattenspender längs der Rheinpromenade vorfinden. Noch ein paar Schritte über eine hölzerne Brücke und wir sind wieder im bebauten Teil der Stadt.

Holzbrücke Düssel_bearbeitet-1

Unser Blick fällt auf die Faunastraße seitlich des Zooparks,

Faunastraße_bearbeitet-1

eine bevorzugte Wohnlage in Düsseldorf. Hierhin wagen sich Kölner nur mit einem Mercedes SLK aufwärts ausgestattet.   

Kölner Mercedes Mathildenstraße

 

Über Richard Gleim

Richard Gleim Sternstr. 31 D-40479 Düsseldorf Fon: 049-2 11-169 7 169 Mobil: 01577-202 68 44 gleim@unitybox.de http://gnogongo.de http://www.artbookers.com/collections/ar-gee-gleim http://www.facebook.com/richard.gleim https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Gleim
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3 Kommentare zu An der Düssel

  1. Lieber Richard,
    vielen Dank für diesen schönen Beitrag. Er erfreut mich deshalb so, weil ich auch an der Heinrichstraße aufgewachsen bin, und auch mein Schulweg dort entlang führte. Die Böschungen und das Ufer der Düssel kenne ich nur zu gut – da habe ich mit den Bandenfreunden gespielt und das besonders gerne in dem gezeigten Spaltwerk. Und in dem kleinen Park habe ich die ersten Drogenerfahrungen gemacht, aber auch etwas für die Schule getan – Reklam Büchlein lesen und so. Es ist sehr schön, dass jemand die Büsche und Bäume dort bemerkt und erkennt – überhaupt muss ich sagen ist Düsseldorf doch eine enorm grüne Stadt, oder? Wie haben Sie nur die Rallen entdeckt???
    Übrigens (ich weiß ja nicht, wie lange Sie dort schon leben) habe ich mal den Ziggy besucht, und dabei festgestellt, dass es sich um dasselbe Haus handelt, in dem ein „fieser“ Jugendfreund von mir wohnte: Robert Heider – unter Ihnen im Parterre. Nur so nebenbei.
    Vielen Dank nochmals

    • He, dann müssten wir uns ja kennen. Ich wohne dort schon lange nicht mehr. Aber, als Ziggy dort sein Studio betrieb, habe ich im Souterrain gewohnt und die no time music betrieben. Ich bin dort aufgewachsen, kenne die Heinrichstraße also seit 1948. Auch ich hatte als Kind dort meine Bande und auch wir haben unten in dem Spaltwerk gespielt.

  2. dan sagt:

    ganz toller bericht! danke. ich laufe diese strecke sehr gerne lang und habe mich auch schon über den gar wilden Weiher gefreut. auch weiss ich jetzt endlich wo der Kittelbach herkommt! Er ist die DÜSSEL!
    Schade, das unsere reiche Stadt kein Geld halt für kleine Schilder mit Erläuterungen, Hinweisen, usw, aber vielleicht erledigen das ja bald digitale Helfer 😉

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