Das schrieb ich 2003

Heute klingt das nahezu naiv. Ich hatte noch keine Ahnung davon, was alles passieren wird und von Drohen und wie weit die Aktivitäten der Geheimdienste und  nicht zuletzt wie Frau Merkel und unsere Geheimdienste und unsere Armee dort mitmischen. Wenn es Frau Merkel um Europa ginge, agierte sie anders.

„Entlegen?

So erfreulich die Befreiung Iraks von dem Tyrannen ist, so ist doch festzustellen, dass es der amerikanischen Administration nicht um die Befreiung eines Volkes ging sondern um eigene Interessen und geradezu infantile Rechthaberei. Nicht mal die neben der Befreiung und ‚Demokratisierung‘ eines Volkes, ja einer Region,  vorgeschobenen Argumente wie Bedrohung der USA durch Saddam Hussein – wie schwach dieser war, hat dieser Überfall erwiesen, oder die Bedrohung der USA und der Region um Irak durch B- und C-Waffen haben sich nicht bewahrheitet. Dies ist somit kein Grund, sich ob des ‚großen Erfolges‘ in die Brust zu schmeißen. Dass es den USA nicht darum ging, ein Volk zu befreien, sollte nicht vergessen werden. Es bleibt abzuwarten, ob hier nicht ein Tyrann durch einen Usurpator ersetzt wird.

Mir wird Angst, so erfreulich die Befreiung eines geknechteten Volkes ist, wenn ich sehe, wie hier eine übergroße militärische Macht unter Missachtung des Völkerrechts vorgeht. Wann sind wir dran? Das kann nicht sein? Mir erscheint das Vorgehen der USA derart irrational und derart egozentrisch, dass ein Schlag auch gegen Europa – es reicht ja eine Drohung – nicht auszuschließen ist.

Mit der Wende, dem Zerfall der UDSSR und dem Wegfall der kommunistischen Gefahr, so sie jemals bestanden hat, ist ein Vakuum entstanden. Es gibt keinen eigentlichen, ebenbürtigen Feind  mehr. Primitive Gesellschaften, und darum handelt es sich bei den USA offensichtlich, wissen sich da nicht mehr imponierend vor die Brust zu schlagen. Es besteht die Gefahr, dass Amerika jetzt in Straßenbandenmanier jeden angreift, der daher kommt. Ein Grund wird sich schon finden. Das Argument ist erst einmal Stärke. Das Recht ist außer Kraft gesetzt. Und die Argumente ergeben sich aus amerikanischen Vorstellungen, Vorstellungen, die dem Mittelalter näher sind als der Aufklärung. Selbst wenn wir das Berufen auf religiöse Vorgaben anerkennen, bleibt es immer noch ein Kunststück, aus der hier angeführten christlichen Religion solch ein Verhalten abzuleiten. Am amerikanischen Wesen soll die Welt genesen. Oder: Zurück in die Zeit der Kreuzzüge.

Noch sind wir nicht dran. Der nächste Kandidat ist offensichtlich Syrien. Wenn man schon mal in der Region ist? Da wird man doch nicht nach Hause fahren, um dann aus akutem Anlass wiederum so einen Aufmarsch ganz von vorne zu inszenieren.

Und wenn man da fertig ist, was die Amis so fertig nennen, also siegen aber sich um nichts Weiteres kümmern als die Ölquellen zu sichern, dann kann man bei dem Spaziergang zurück dann doch mal eben ein paar Stützpunkte in Europa einrichten. Schließlich ist Europa reich, reicher als die USA. Das lohnt.

Solchen Leuten wie der Bush-Clique in vorauseilendem Gehorsam in den Arsch zu kriechen, kann nicht das Gebot der Stunde sein. Dazu ist das bisher Erreichte zu wertvoll. Sachgerecht dürfte die Besinnung Europas auf seine eigenen Stärken sein, das schließt die Besinnung auf europäische Kultur ein, und sollte zu einem Staatenbund führen, der auch von den völlig verrückt gewordenen USA ernst genommen werden kann. Unsere Kultur wird verhindern, dass wir uns in einem primitiven Wettrüsten verlieren. Mir wäre wohler dabei. Manchmal bedarf es der Anstöße von außen, um etwas in die Wege zu leiten. Der Anstoß ist gegeben.

Danach kann man sich dann wieder mit den Amis unterhalten. Ich bin mir sicher, dass das dann besser geht.

Das erste, was wir im Nahen Osten tun können, ist helfen, auch wenn die Amis da einen Scherbenhaufen hinterlassen haben und eigentlich selbst verantwortlich dafür sind.  Und sei es nur, um zu demonstrieren, dass wir einer anderen Kultur angehören als die Amis. Egal wie, egal unter wem. Auch unter der Ägide der Amis.

Die können sich weiter auf die Brust trommeln.

USA, ein fremdes Land. Das habe ich bisher nicht gewusst.“

 

Über Richard Gleim

Richard Gleim Sternstr. 31 D-40479 Düsseldorf Fon: 049-2 11-169 7 169 Mobil: 01577-202 68 44 gleim@unitybox.de http://gnogongo.de http://www.artbookers.com/collections/ar-gee-gleim http://www.facebook.com/richard.gleim https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Gleim
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