DB – eines der letzten realen Abenteuer

Es gibt immer wieder Leute, die suchen das große Abenteuer und da dieses zumindest ohne den Einsatz größerer Gelder kaum zu finden ist, frönen sie einem Ersatz, den allbekannten Ballerspielen auf handgerechten Kästchen. Das aber ist wirklich nur ein müder Ersatz.

Für den Preis eines solchen Kästchens könnten sie jedoch eine Art russisches Roulette in der sie umgebenden Realität erleben, einen Nervenkitzel, der, geht es schief, gleich hunderte von Abenteurern das Leben kosten könnte. Live und wirklich.

Es ist so einfach. Man setze sich in einen ICE und lasse sich zu zugegebenermaßen weit überhöhten Preisen, das ist wohl der Abenteuerzuschlag, von Köln nach Frankfurt katapultieren. Jedes kleinste Geräusch, welches den Boden der pfeilschnellen Wagen passiert und ans Ohr der Passagiere dringt, erhöht den Kitzel. Jedes Rütteln des Wagens, der auf dem dann doch nicht ganz ebenmäßig geraden Verlauf der Schienen beruht, schüttelt das Bewusstsein über Gefahr hoch. Der Kitzel ist real, ganz nah und unausweichlich. 

Schaut man aus dem Fenster, sieht man zwar meist nur Beton, der vor gefährlichem Seitenwind und Züge entgleisen lassenden Kaninchen schützt, doch es gibt auch Passagen, in denen man die vorbeirasende Landschaft mitbekommt. Fährt dort ein Bus mit schneckenhaften 80km/h ebenfalls von Köln nach Frankfurt, hat man für diesen nur ein müdes Lächeln übrig, auch wenn die Busfahrt nicht die Hälfte von dem kostet, was man selbst hinlegen musste, um den Börsengang der Bahn zu ermöglichen. Aus dem gleichen Grund befinden sich sehr zweifelhafte Achsen unter den Füßen der Abenteurer. Die entsprechen laut ‚Monitor’ nicht mal den europäischen Normen. So ein Gang an die Börse ist halt mit essentiellen Imponderabilien gepflastert.

Aber, wo wirklicher Pioniergeist weht, da lässt sich das Risiko nicht vermeiden. So richtige Männer wie Herr Mehdorn lieben es, einen so heißen Stuhl zu fahren. Die weit überzogenen Preise – ein halb ausgelasteter Bus transportiert seine Passagiere trotz hoher Spritpreise, trotz des viel geringeren Volumens des Gefährts, trotz viel höheren Rollwiderstands und trotz häufigeren Bremsens und  Beschleunigens Gewinn bringend zum halben Preis dessen, was die Abenteuerfahrt bei der Bundesbahn kostet. Aber was tut man nicht alles, damit die DB an die Börse kommt und dann wohl möglich zu einer dieser immer erfolgreichen Volksaktien zu werden. Denn wer sonst ist so dumm im Sinne von bar jeder Kenntnis, dass er ein solch schlüpfriges Papier auch nur in Erwägung zieht?  

Im Bergbau wüscht man sich ein banges ‚Glück auf!’, bei den Seglern ‚Mast- und Schotbruch’, dem Reisenden bei der Bahn ein ‚Rad- und Achsbruch!’. 

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1 Response to DB – eines der letzten realen Abenteuer

  1. AMUNO sagt:

    Hi,
    hatte gerade mal wieder selbst ein Erlebnis der dritten Art beim Bahnfahren. Und ja, du hast natürlich recht, mit der Bahn fahren ist kein Erlebnis, es ist ein Abenteuer 😀

    http://www.literaturasyl.de/?p=617

    Gruß

    AMUNO

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