Gestern am Rhein

Nähert man sich dem Rhein in Oberkassel, dann sieht man die Wiese bedeckt von braunen, vertrockneten Pappelblättern. Es ist nicht der Herbst, der sich hier zeigt. Der schwelgt in gelben Pappelblättern. Es ist die ungewöhnliche Trockenheit des letzten Monats.

Pappelherbst

 Geht man weiter, sieht man das Ende der mit Gras bewachsenen Wiese, den kurzen Abschnitt des Ufersandes, begegnet dann aber nicht dem ans Ufer schlappenden Wasser des Stroms sondern sieht eine Wüste ausgetrockneten Schlammes, dort wo bei normalem Wasserstand der Rhein fließt.

Rheinwiese trockenes Flussbett

Dann sehe ich diesen Fotografen mitten in der Wüste aus getrocknetem Schlamm des Rheinbetts. Ich weiß nicht, ob wir ähnliche Beweggründe haben, im Rhein spazieren zu gehen.

Fotograf im Rheinbett 

Der Schlamm ist in charakteristischer Weise aufgerissen. Es  bilden sich tiefe Spalten zwischen den Schlammpartien, die sich beim Verlust des normalerweise von hm gehaltenen Wassers zusammenzeihen.

Trockenrisse Rheinbett

Hier zeigt es sich wie in der Wüste. In einer Vertiefung gelangen die Pflanzen noch an Feuchtigkeit und n der Mulde teilweise vor dem harten Sonnenlicht geschützt zeigt sich Grün

Trocken Mulde Gruen 

Die Gletscher der Alpen, die bisher in der warmen Jahreszeit den Rhein mit Schmelzwasser versorgt hatten, sind verschwunden. Jetzt ist der Strom allein auf Niederschläge angewiesen. Hinzu kommt, dass immer größere Partien unserer Erde versiegelt sind, Wasser nicht mehr in der Erde versickert und so ein Reservoir an Feuchtigkeit bereit hält. Das Wasser wird in Kanäle geleitet und fließt von dort in begradigte Flüsse, Flüsse die nicht mehr in weiten Bögen mäandrierend gemächlich durchs Land fließen sondern das Wasser schnell dem Meer zuführen und so dem Leben verloren geht. Was bleibt ist eine Wüste aus getrocknetem Schlamm, eine neue, andersartige Form der Trocknis, die man als periodische Wüste bezeichnen

kann. Wüste insofern, als kaum die Möglichkeit besteht, dass sich hier diesem Wechsel angepasste Vegetation einstellen kann. An den schnellen Wechsel von Trockenheit und deutlicher Überflutung, in feuchten Zeiten füllt sich der Fluss abrupt, es gibt ob der Versiegelung der Landschaft keinen Puffer, kann sich die Vegetation vorerst zumindest nicht anpassen.

Rheinbettwüste 

Auf der Krone einer Kribbe, einem Ort, der einen großen Teil der Zeit über das Wasser hinausragt, siedeln sich trotz des steinigen Untergrunds dem entsprechend angepasste Pflanzen an. Um welche Pflanze es sich hier handelt, kann ich nicht bestimmen. Sie gehört zur Familie der Asteraceae. So viel kann ich sagen.

Kribbenblume

Partien, die zeitweise als Sandbank im Fluss erscheinen, aber immer wieder überflutet werden, siedelt sich die Silberweise (Salix alba) an.

Weiden vor Skyline

Solche Tonnen markieren das Fahrwasser. Bis hierhin können die Schiffe gelenkt werden. Jetzt liegt die Tonne fast auf dem Trockenen. Schiffe können nur noch in bestimmten, engen Fahrrinnen verkehren und das auch nur mit reduzierter Last. 60 cm Wasser unter dem Kiel ist wenig. Der Schiffsverkehr hat deutlich abgenommen. Es scheint, halbe Lasten zu fahren, lohnt nicht.

Tonne fast auf dem Trockenen 

Muscheln. Zerbrechlicher als Geld. Als Zahlungsmittel schon deshalb nicht geeignet, da tote Muscheln geradezu inflationär den trockenen Flussboden bedecken. Auch eine Krise. Hier hat wohl ein Kind Muscheln gesammelt, sie dann aber liegen gelassen. Etwas, was so häufig ist, hat eben selbst für Kinder keinen Wert.

Muscheln gesammelt

Brücken gründen meist auf Pfeilern. Hier ist es ein Pfeiler, der einen Pylon trägt, von dem aus die Brücke sich an Schrägseilen hängend über den Strom spannt. Dieser Pfeiler steht nicht mitten im Strom, dort sollen Schiffe fahren, aber er steht auch nicht so sehr am Rand, wie es hier erscheint. Da gibt es bei normalem Wasserstand noch eine Menge Wasser.

Verfärbungen an dem Pfeiler zeigen verschiedene Wasserstände an. Hochwasser recht bis fast zur Hälfte des Pfeilers.

Die Wasserstände variieren sehr schnell. Regent es viel, gelangt plötzlich sehr viel Wasser in den Rhein, Wasser, welches wegen der weitgehenden Versiegelung der Landschaft nicht mehr in den Boden eindringen kann und deshalb ungenutzt wenn auch in Kanälen aufgefangen praktisch an der Oberfläche verbleibend schnell abgeführt wird. Eben so schnell fließen die kanalartig begradigten Flüsse dieses Wasser dem Meer zu. Letzteres bewirkt, dass bei mangelndem Niederschlag der Pegel rapide schnell sinkt und es so schnell zu Wasserständen wie dem hier zu sehenden kommt.

 Brueckenpylon

Unter der Brücke

Commodore heißt dieses Bötchen eines Düsseldorfer Wassersportvereins.

Commodore 

Die Fahrrinne ist eng, so dass sich begegnende Schiffe sehr eng aneinander vorbei fahren.

Begegnung 

Das Wasser des Rheins ist trotz des niedrigen Wasserstands erstaunlich klar.

Klares Wasser

Selbst der oft unter Wasser stehende Kies des Rheinufers wird von bestimmten Pflanzen besiedelt. Hier ist es ein Knöterich, den ich hier als junge, grüne, knospende Pflanze über die Frucht tragende, schon leicht verfärbte bis hin zur herbstlich roten Pflanze zeige.

Knoeterich gruen

Knoeterich

Knöterich rot 

Auch die Ackerkratzdistel wagt sich in die Ungewissheit der variierenden Wasserstände. Es ist vor allem der Wind, der die Samen an die entlegenen Stellen verteilt. Manchmal kann sich daraus eine Pflanze entwickeln, oft auch nicht. Hier ist es eben gut gegangen.

Distelsamen2

Nicht nur Distelsamen fliegen, Drachen tun es auch

Drache4

Wenn die Menge und Dichte einer Vegetation erreicht ist, die ein Boden tragen kann, dann spricht man von einer Vegetationssättigung. Solche Situationen können nicht mehr Vegetation hervorbringen. Und so sieht das dann aus.

Flussbettvegetation

Tauben haben entdeckt, dass die spärliche Vegetation im Uferbereich köstliche Samen bereithält und delektieren sich eifrig daran. Die Weite der Landschaft erlaubt es ihnen zudem, Fraßfeinde sehr bald zu entdecken und fortzufliegen.

Tauben im Rheinbett

Der Himmel über der Altstadt. Was soll ich da noch sagen? Niederrhein.

Himmel über Altstadt

Dieses Boot gibt es so in keinem Katalog

Kahn 

Saure Milch. Ein Rest der von protestierenden Bauern am Wochenende über die Rheinwiesen verschütteten Milch.

sauere Milch

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