Gleitend

Ich machte meinen Job bei einer Bank, eine großen Bank. Mein Büro befand sich in dem erst 15 Jahre alten Tower aus Glas und Stahl, den man neben dem alten Hauptsitz der Bank hochgezogen hatte. Dieser war ehrwürdig und unter Verwendung von Weser Sandstein erbaut worden.
Ich weiß nicht, was mich trieb. Mich reizte, diese meine Bank mal durch die Tür dieses alten Gebäudes zu betreten. Es musste ja einen Durchgang zu dem Tower geben. Ich betrat einen mit dekorativer Tapete verkleisterten Raum. Meine Augen suchten eine Tür, die mich weiterführen könnte. Doch da war nur Tapete. Bis ich es sah das Schloss in der Tapete. Ich war im Besitz eines Schlüssels, der auf fast alle Türen der Firma passte. Nur die Chefetage war ausgespart. Ich ging auf die Tür, denn eine solche musste sich da verbergen, zu. Doch eine Mitarbeiterin kam mir zuvor, zückte ihren Schlüssel und öffnete mich einladend die Tür.
Ich befand mich in einem großen, kreisförmigen Saal. An der Peripherie eines Halbkreises saß an drei beeindruckenden Schreibtischen je eine Dame. Den Kreis schließend sah ich auf der gegenüberliegenden Seite ein großes Tor, dahinter einen riesigen Aufzug. Auf den ging ich zu und betrat ihn, obwohl er im Gegensatz zu der Halle wie früher wohl üblich mittels Glühbirnen mit ihrem kaum 3.000 Kelvin erreichenden Licht nur mäßig beleuchtet war. Der Aufzug war riesig und fasste bestimmt 100 wenn nicht mehr Personen. Die 12 oder 15 Menschen da in ihren dunklen Anzügen und mattfarbenen Kostümen bildeten eine unzureichende Staffage.
Die Gesichter – soweit zu erkenne in dem kaum erleuchteten, riesigen, bestimmt 10 Meter hohen Aufzug – zeigten keinerlei Regung. Der Ausdruck des Wichtigen hatte sie geformt und das war eingefroren. Und doch schienen sie mir zu sagen, dass ich nicht hierher gehöre, weshalb ich den Aufzug auch nur sehr zögerlich betrat, auf der Schwelle verharrte. Die edelstahlmatte ebenfalls halbreisförmige hohe Tür schloss sich unerbittlich unhörbar gleitend traf mich im Rücken und spülte mich zurück in den Saal mit den drei Damen. Eine von Ihnen schien das zu bemerken und lächelte mich aus der Ferne an. Ich hielt zum Zeichen meiner Überraschung für einen Moment eine Hand vor das Gesicht worauf sie mir ein Kusshändchen entgegen blies. Ich schaute an mir herunter und stellte fest, dass ich in einem kurzärmeligen T-Shirt dastand. Das weiße Hemd, welches ich normalerweise trug, hatte ich in meinem Büro ausgezogen, wo es wohl über der Rückenlehne meines Chefsessels gelegt auf mich wartete.
Ich glitt vermeintlich fest auf dem Boden stehend wie auf einer schiefen Ebene langsam der Tür entgegen, durch welche ich den Raum betreten hatte. Schicksalsgleich.
Dann wachte ich auf.

Über Richard Gleim

Richard Gleim Sternstr. 31 D-40479 Düsseldorf Fon: 049-2 11-169 7 169 Mobil: 01577-202 68 44 gleim@unitybox.de http://gnogongo.de http://www.artbookers.com/collections/ar-gee-gleim http://www.facebook.com/richard.gleim https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Gleim
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