Japan am Rhein

Düsseldorf ist für Japan die Nummer eins in Deutschland. Rund 500 japanische Firmen sind in der Region Düsseldorf vertreten, rund 8.200 Japaner leben hier. Kaufleute waren die Wegbereiter dieser Entwicklung, die sich innerhalb der letzten sechs Jahrzehnte vollzogen hat. Den Kaufleuten folgten ihre Familien, nach und nach bildete sich eine typische Infrastruktur heraus: Einzelhandel, Banken, Ärzte, Buchhändler, Spediteure, Versicherer, Industrie- und Handelskammer sowie Generalkonsulat.

Eine japanische Schule entstand, auch japanische Kindergärten. Dies alles gestattet es, von „Japans Hauptstadt“ am Rhein zu sprechen, wenn die Rede auf Düsseldorf kommt.

In den 1920er-Jahren waren zuerst der Überseehafen Hamburg und dann Berlin für Japan die wichtigsten Plätze in Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte in Japan eine große Nachfrage nach Maschinen und Produkten der Schwerindustrie. Düsseldorf, damals weltbekannt als der „Schreibtisch des Ruhrgebietes“, bot sich als idealer Platz an, um diese gefragte Technik, insbesondere das Know-how für den Stahl und den Maschinenbau, zu beschaffen. Aber Düsseldorf profitierte auch von seiner zentralen Lage im wichtigsten Ballungsraum Europas und erwies sich damit für die Japaner als idealer Standort in allen Vertriebs- und Beschaffungsfragen.

Nachdem schon einzelne japanische „Kundschafter“ ab 1952 nach Düsseldorf kamen, wurde 1955 das Handelshaus Mitsubishi ins örtliche Handelsregister eingetragen. 1957 folgte das Handelshaus Okura & Co.

Die japanische Gemeinde wuchs zunächst langsam, dann aber sehr schnell – im Tempo des internationalen Handelserfolgs Japans. Heute sind in der Region Düsseldorf 500 Firmen der unterschiedlichsten Branchen tätig, knapp 300 in der Landeshauptstadt selber. Die Palette reicht vom Handelshaus über Industrieunternehmen bis zu Dienstleistungsfirmen. Die Unternehmen beschäftigen rund 23.000 deutsche und japanische Mitarbeiter.

Längst haben die japanischen Aktivitäten die Stadtgrenzen übersprungen. Rund um Düsseldorf haben sich vor allem flächenintensive Firmen niedergelassen. So kommt es, dass in der Region Düsseldorf mehr als ein Viertel der Japaner in Deutschland zuhause sind. Mit großem Abstand folgen erst Frankfurt, Hamburg und München, die als Standorte für bestimmte Branchen interessant sind.

1964 wurde in Düsseldorf der Japanische Club gegründet, der mehr als 5.000 Mitglieder hat und zu den großen Vereinen in der Stadt zählt. Ein Jahr später eröffnete ein japanisches Konsulat, das bald zum Generalkonsulat aufgewertet wurde. Und 1966 schließlich wurde die Japanische Industrie- und Handelskammer zu Düsseldorf gegründet, die ihre Tätigkeit mit 60 Firmenmitgliedern begann und heute mehr als 500 ordentliche und außerordentliche Mitglieder zählt.

Seit 1970 besteht in Düsseldorf die Japanische Schule, die nach einiger Zeit der Provisorien in einem Neubau im linksrheinischen Oberkassel heimisch wurde. Ein Verein „Japanische Internationale Schule e.V.“, den die Eltern gebildet hatten, war als Bauherr aufgetreten, die Stadt hatte das Grundstück bereitgestellt. Diese Einrichtung lehnt sich voll an das japanische Schulsystem an und gliedert sich in eine 6-klassige Grund und eine 3-klassige Mittelstufe. Fast 700 Mädchen und Jungen werden dort zumeist von entsandten japanischen Lehrern unterrichtet. Ein erster japanischer Kindergarten wurde 1983 ins Leben gerufen, mittlerweile gibt es bereits vier.

Mit dem “ EKÔ-Haus der Japanischen Kultur“ unterstreichen die Mitbürger aus Fernost einmal mehr, wie sehr sie sich in Düsseldorf heimisch fühlen. Inmitten einer großen japanischen Gartenanlage stehen ein Veranstaltungs- und Studienzentrum sowie ein buddhistischer Tempel. An der Immermannstraße, im Herzen der City, entstand 1978 das Deutsch- Japanische Center, das auch architektonisch einen fernöstlichen Touch ins Stadtbild bringt. Der Komplex, mit damals rund 180 Millionen Mark noch immer die größte Einzelinvestition der Japaner in Düsseldorf, bietet moderne Arbeitsmöglichkeiten für 400 Mitarbeiter in über 30 Firmen und Institutionen. Das japanische Generalkonsulat ist dort beheimatet, die Japanische Industrie- und Handelskammer zu Düsseldorf, die Filiale eines Warenhaus-Konzerns, ein Reisebüro und darüber hinaus ein 600-Betten-Hotel mit japanischen Restaurants.

Verständnis, Sympathie und Hilfsbereitschaft prägen das Verhältnis zwischen japanischen und deutschen Bürgern, begünstigt durch die 1964 gegründete Deutsch-Japanische Gesellschaft, aber auch durch ständige Gespräche zwischen Stadt und japanischer Gemeinde. Bei aller landestypischer Zurückhaltung: Die Söhne und Töchter Japans zählen wie selbstverständlich zum Bild der rheinischen Brauchtumsfeste, bereichern das Konzertleben der Stadt und die bildende Kunst. Das Zusammenleben zwischen Japanern und Düsseldorfern wird immer enger, hat längst freundschaftliche Züge angenommen. Als Zeichen des Dankes für die erwiesene Gastfreundschaft richtete die Japanische Gemeinde schon 1975 den Düsseldorfer Bürgern einen Japanischen Garten ein. Die 5.000 Quadratmeter große Anlage im Nordpark, für die damals 1,8 Millionen Mark aufgewendet wurden, ist längst zu einem Lieblingsplatz der Düsseldorfer geworden. Zum 700. Geburtstag der Stadt im Jahre 1988 stiftete die Japanische Gemeinde den „Studienfonds Düsseldorf-Japan“, dessen Erträge alljährlich einigen Fachleuten der Region eine Studienreise nach Japan ermöglichen. Ausdruck des Bemühens um das gegenseitige Verstehen sind enge Kontakte auf vielen Ebenen und eine Fülle von Begegnungsveranstaltungen.

Maßstäbe setzte die erste Japanische Woche im Jahre 1983. In der Reihe dieser Projekte stand auch das Japan-Jahr 1999/2000 mit rund 100 Einzelveranstaltungen alleine in der Stadt Düsseldorf. Das Programm dafür wurde auf japanischer Seite von der japanischen Gemeinde und dem Generalkonsulat, auf der deutschen Seite vom Land Nordrhein-Westfalen und der Stadt Düsseldorf geplant, gestaltet und finanziert.

Seit 2001 gibt es in der Landeshauptstadt regelmäßig im Mai einen Japan-Tag. Er hat sich zu einem der beliebtesten Düsseldorfer Ereignis entwickelt. Im Rahmen eines deutsch-japanischen Begegnungsfestes bringen die in Düsseldorf lebenden Japaner dabei den mehr als eine Million deutschen Besuchern die Kultur ihrer Heimat nahe. Kimono-Anproben, Kalligraphie, Samurai- und Musikgruppen gehören dabei zu den regelmäßigen Höhepunkten. Krönender Abschluss ist traditionell das große japanische Feuerwerk, für das eigens ein Pyrotechniker mit speziellen Feuerwerkskörpern aus Japan anreist.

Man ist sich näher gekommen in den Jahrzehnten der wachsenden Zusammenarbeit. Der Begriff von „Japans Hauptstadt am Rhein“ hat sich längst mit Leben gefüllt.

Über Richard Gleim

Richard Gleim Sternstr. 31 D-40479 Düsseldorf Fon: 049-2 11-169 7 169 Mobil: 01577-202 68 44 gleim@unitybox.de http://gnogongo.de http://www.artbookers.com/collections/ar-gee-gleim http://www.facebook.com/richard.gleim https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Gleim
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