Kollaps

Gestern am späten Nachmittag war die Luft voll Martinshorngeheul. Der Busfahrer erzählte, dass die Leute reihenweise kollabierten. Die Hitze, die Luftfeuchtigkeit.

Überall sah man sie, die üblichen Verdächtigen, wie sie ihre Flasche Bier an den Hals setzten. Wie immer. Nur hat das bei dem Wetter brisante Folgen. Am Hauptbahnhof waren die erhöhten Beete um die artifiziell dort gepflanzten Bäume übersäht mit diesen kleinen Flaschen, die in welcher Form auch immer Hochprozentiges enthalten hatten.

Ich selbst habe nur einen Menschen gesehen, wie er regungslos quer auf der Straße lag. Krankenwagen, Notarzt, Polizei. Ich kann so was nicht sehen und guck da auch nicht so genau hin. Doch es war an einer Haltestelle. Ich wartete dort selbst kalt geduscht auf meine klimatisierte Bahn. Es war auszuhalten, weil inzwischen ein deutlicher Wind aufgekommen war.  

Auf dem Nach-Hause-Weg sah ich aber auch Krankenwagen, Blaulicht fetzend vor Häusern stehen, Menschen wurden auf Tragen eingeladen. Da will nicht die rechte Freude aufkommen. Das schmeckt gar nicht.

Jetzt um 02:00 h Ortszeit (03:30h MESZ) herrschen in meiner Wohnung noch 26°C. Das Außenthermometer steht auf 25,5°C. Tropennacht. D.h. die steinernen Mauern haben sich dermaßen aufgeheizt, dass es in der Stadt einfach nicht abkühlt.

Vom Licht der Stadt angestrahlt wandern Wolkenbündel über die Dächer mit deutlichen Lücken dazwischen. Weiter im Westen ist der Himmel nahezu schwarz. In der Ferne sieht man Blitze zucken. Den Donner kann man nicht hören. Es ist zu weit weg.

Hoffnung auf ein kühlendes Gewitter. Ein Taxi hält. Eine Haustür fällt ins Schloss. Es ist noch zu früh für die grölenden Heimkehrer aus der Altstadt. Bleierne Ruhe. Stickige Luft. Ein Jet durchfurcht den Himmel ein Geräuschband hinterlassend. 

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