Köln Düsseldorf

Selten liegen zwei ebenbürtige Städte so nah beieinander. Da ergibt sich von selbst eine gewisse Rivalität. Wenn eine solche sich zudem noch im Herzen des Rheinlands etabliert, nimmt es nicht wunder, wenn der die jeweils andere Stadt und deren Bewohner abwertende Spruch hin und her fliegt oder der eine Fernsehturm um einige Meter höher ausfällt als der andere bereits existente.

Düsseldorf hat bei dem unedlen Wettstreit ein Problem damit, dass es wesentlich kleiner als Köln ist, Köln überwältigend mehr Medien beherbergt und zu seinem Vorteil zu nutzen weiß, die Kölner Mundart viel mehr in der Bevölkerung verankert ist als das Düsseldorfer Platt in Düsseldorf, der Rhein all den Kölner Dreck nach Düsseldorf transportiert, was der Kölner nicht aufhört, dem Düsseldorfer unter die Nase zu reiben, Köln als Marktplatz für Kunst die Nase weit vorne hat und international viel bekannter ist als Düsseldorf. 

Köln hat ein Problem mit Düsseldorf, das nun mal als schick gilt, während Köln eher das Dreckige anhängt, selbst Düsseldorf als Parvenue ärgert den Kölner, während dies woanders negativ gewertet wird. Düsseldorf hat (noch) den bedeutenderen Flughafen, eine international hoch angesehene Kunstakademie, die das Leben der Stadt mehr beeinflusst, als es die große Kölner Uni es mit Köln macht und eine Lebensart, die nicht nur aus Schenkel klopfender, permanent sich aufdrängender, guter Laune besteht, was bei dem Kölner, der das nicht versteht, ein zwar uneingestandenes  aber umso tiefer bohrendes Minderwertigkeitgefühl aufkommen lässt.

Man sieht, dass sachlich fast alle Fakten Köln bedeutungsvoller erscheinen lassen, Düsseldorfs Vorteile eher in geradezu fassadären und emotionalen Momenten begründet sind. Dass es gerade darauf ankommt, will dem Kölner nicht in den Sinn.

Dass in Düsseldorf hinter der Fassade, dem was der Betrachter sehen will und ihm gerne geliefert wird, grundsolide Potenz steckt, ist nicht so ohne weiteres zu sehen und dem Kölner eh nicht zu vermitteln. Es ist nämlich so, dass der Düsseldorfer wie selbstverständlich, anstrengungslos und äußerst eloquent seine glänzenden Fassaden permanent neu erfindend aufbaut, aber dabei wohl im Auge hat, worauf es ankommt, und wo er Worte wie Arbeit, Anstrengung, Last benutzen müsste, sehr weise zu schweigen weiß. Das ist ihm zu profan. Über so was redet man nicht oder wenn, dann nur mit dem inneren Zirkel der miteinander Arbeitenden, den synergetischen Zirkeln, wo sich wirklich Summen ergeben, die größer sind als ihre Einzelteile. 

Solch eine Rivalität ist nichts Besonderes und führt auch nicht zu ernsthaften Auseinandersetzungen. Schließlich halten sich beide für satisfaktionsfähig, sonst gäbe es die Rivalität nicht.

Bei dem prägnantesten Gegensatz der beiden Städte und deren Bewohner, dem Bier, herrscht völlige Einigkeit. Für den Düsseldorfer ist Kölsch eine labrigge, seichte Pisse, während für den Kölner das Altbier eine bittere, ungenießbare Teufelssoße ist. Einfach nur bah. So trinken der Kölner sein Kölsch und der Düsseldorfer sein Alt.

Greift man von außen, z.B. von Preußen aus, die Rheinländer pauschal an, sieht man, wie beide Städte eng aneinander rücken und wie ein Mann gegen jegliche Verunglimpfung des Rheinlands vorgehen. Irgendetwas müssen die beiden Städte trotz der Benrather Sprachgrenze, die den Dialekt der beiden Städte gegeneinander abgrenzt, die Linie, die das Süddeutsche vom Norddeutschen trennt und nicht nur die Sprache sondern auch die Mentalität separiert, grundsätzlich gemeinsam haben. Das aber hören beide nicht gerne. Schließlich lebt man im Bewusstsein von Unterschieden und die wollen gepflegt sein.

Nicht wahr, Ihr Kölner Drecksäcke!   

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4 Kommentare zu Köln Düsseldorf

  1. Rainersacht sagt:

    Das Thema habe ich sehr lange und sehr intensiv recherchiert. Es ist so aus, als sei diese bekannte Rivalität erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Vorher war Düsseldorf einfach immer zu klein und unwichtig für die Kölner – etwa so wie Opladen oder Pulheim. Düsseldorf hatte um 1870 herum gerade mal knapp 60.000 Einwohner – davon mehr als ein Drittel preussisches Militär. Köln lag dagegen damal schon bei über 200.000 Einwohner und war in jeder Hinsicht bedeutender.

    Dass Düsseldorf zur Landeshauptstadt von NRW wurde, hat die Domstädter dagegen unheimlich aufgebracht (kann man in den Archiven nachlesen…). Dann haben die Düsseldorfer dagegen geschossen. Aber auch das war eher peripher. Richtig doll wurde es erst Mitte der Sechziger Jahre dadurch, dass der Kölner Eishockeyclub („Haie“) aufstieg und gegen die DEG sogar gewann. Dann ging’s in den Siebzigern mit dem Fußball weiter.

    Noch ein Detail zum Bier. Bis um 1930, 35 herum stammten die Kölner und die Düsseldorfer Braumeister fast alle aus derselben niederbayerischen Region (Kelheim), wo seit Alters her obergärig gebraut wird – denen war egal, ob da helles Kölsch oder dunkles Alt hergestellt wurde. Und weder Kölsch, noch Alt konnte man bis Mitte der fünfziger Jahre außerhalb der beiden Städte bekommen. Mein Vater hat bei der Düsseldorfer Hirschbrauerei gearbeitet und es geschafft, dass Düssel Alt plötzlich in Leverkusen, Bergisch Gladbach und sogar in Bonn angeboten wurde – das war so Anfang der Sechziger.

  2. Flusskiesel sagt:

    Ich habe in beiden Städten gerne gelebt (und trinke auch heute noch beide Biere gerne). Meine Beobachtung:
    Dem gemeinen Düsseldorfer ist diese „Rivalität“ relativ schnurz (bis auf den einen oder anderen Kölschwitz). Bei den Kölnern ist das anders. Für die ist Düsseldorf immer wieder ein Thema.

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