Paradigmenwechsel

katze2.jpg

Ein modisches Wort, welches meist falsch angewandt wird. So auch hier. Aber geben wir dem Trend nach.            

„Bei meiner Pfote. Man hat mir erzählt, früher hätten Katzen Mäuse gefangen. So ganz mühsam und mit Kenntnis des Verhaltens von Mäusen. Erst einmal erkunden, wo sich überhaupt Mäuse aufhalten. Dann herausfinden, wann diese oder die andere Maus einen bestimmten Ort aufsucht. Ja, es soll sogar so gewesen sein, dass Katzen gehalten wurden, weil sie Mäuse jagten. Sie mussten also Mäuse jagen. Wie lästig! Die Katzen damals hätten diese Mäuse sogar gefressen. Roh! Ungekocht und ungewürzt. Igitt! 

Das sollen Zeiten gewesen sein, zu denen das Verbot, Katzen nach draußen, außerhalb der Wohnung, zu lassen, noch gar nicht existierte. Es war auch die Rede von starken Katern. Da soll so was wie Sex vorgekommen sein. Das muss was ganz schreckliches sein. 

Es waren also Zeiten, zu denen es nicht regelmäßig den Napf mit Futter gab und man so Zeugs, was man nicht mag, naserümpfend zurückweisen konnte. Man stelle sich das vor, man wird dermaßen funktionalisiert und nicht um seiner selbst willen, wegen der großen Augen, des eleganten Gangs, wegen des gekonnten Schnurrens und des putzigen Fellpflegens gehalten. Man stelle sich vor, ich müsste mich umstellen. 

Den Vorgang angenehmer Verdummung in den immer warmen vier Wänden ohne jede verwirrende Anregung, dem immer gleichen Vorgang mich hingebend, auf Nichts gespannt sein müssen, in Drogenwirkung ähnlicher Weise dahin zu faulenzen und dahin zu vegetieren aufgeben? Ich müsste mein Hirn und meine Knochen und Muskeln belasten, um überhaupt zu überleben. Ich müsste die ganze Anstrengung, eine gewisse Intelligenz zu erlangen, die weiß, wann wo eine Maus ist, wie man sie fängt, wie man den Hunden ausweicht, wie man Marder meidet, wie man die gefährlichen Krähen schon in der Luft bemerkt, auf mich nehmen. Ich würde gar das Fluchen lernen. 

Jetzt erzählt mir die Fressnapffüllerin, dass bei den Menschen eine weltweite Katastrophe, sie nennen es Finanzmarktkrise, die Gemüter erregt, es bald nur noch weniger und teureres Geld gibt und deshalb die täglichen Futterrationen nicht mehr gesichert sind.  

Ach, ich werd’ mich schon durchschmusen. Dazu reicht mein domestiziertes, angenehm dumelig dummes Hirn noch.“  

Wenn Katzen irren, gibt es schlimmstenfalls Katzenjammer. Aber was scheren uns Katzen, wenn es uns selbst an den Fraß geht. 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.