Sanft ist des Mondes Licht

Ich berichtete, dass die Straße hier fast 14 Tage lang in tiefer Dunkelheit lag, weil die Gaslaternen ausgefallen waren. Jetzt etwa 14 Tage später bietet sich das gleiche Bild. Man tappst vorsichtig schlurfend über das Trottoir, um die losen und wie nach einem Beben schräg ihre Kanten zeigenden Pflasterplatten zu erfühlen und nicht darüber zu stolpern.

Gut, diese Nacht ist es nicht stockduster, weil der hell das Sonnenlicht reflektierende Vollmond die Geisterszene mit kaltem Licht benetzt Aber wehe, es ziehen Wolken auf. Jetzt um 5:00h, einer Zeit, zu der das Getrippel aus der Altstadt heimkehrender Kellnerinnen die schmale Straße und seinem Echo von Hauswand zu Hauswand füllt, herrscht merkwürdige Ruhe. Nicht, dass das unangenehm wäre. Es ist nur ungewohnt und ein Hauch dessen, was man Natur nennen kann, fremdelt im matten Schein der variierenden Fassadentextur.

Ob ein Steinmarder den vor Stunden noch warmen Motorraum eines Autos verlassend sich streckend auf die Suche nach Verpackungen mit Resten von Schokolade macht, weiß ich nicht. Doch die Ratten werden sich ob der ungewohnten Ruhe anschauen und nicht so recht wissen, was sie davon halten sollen. Das Licht des Mondes reicht den Eulen allemal zur Jagd auf die merkwürdig berührten Ratten.

Kein Licht in den Fenstern der Häuser. Man schläft. Ob die erste Straßenbahn fährt? Sie müsste gleich kommen und im Vorbeifahren mit dem Licht, welches aus dem hell erleuchteten Wagen scheint, den Lärm, den sie erzeugt, mit einem Streifen Helligkeit verdeutlichen.

Bald werden die Müllmänner kommen, die lärmend Tonne für Tonne aus den Kellern hieven und mit ihren an der Stirn angebrachten Leuchten wie Irrlichter in der Dunkelheit umher huschen.

Doch dan macht das Büdchen schräg gegenüber auf, flutet die Straße davor mit hellem Licht und das Viertel erwacht. Hin und wieder stolpernd wird man dort seine Zeitung, ein paar belegte Brötchen, seine Zigaretten und eine Packung Kräcker oder Butterkekse kaufen. Und der Mond jetzt noch hoch am Himmel stehend und die Straßenschlucht erleuchtend wird hinter den Häusern verschwinden.

Was dann wird, weiß niemand. Vielleicht leuchten die Gaslaternen dann mit der Sonne um die Wette und erlöschen wieder, weil sie sich schämen.

Ein neuer Tag. Der 1. Februar.

Über Richard Gleim

Richard Gleim Sternstr. 31 D-40479 Düsseldorf Fon: 049-2 11-169 7 169 Mobil: 01577-202 68 44 gleim@unitybox.de http://gnogongo.de http://www.artbookers.com/collections/ar-gee-gleim http://www.facebook.com/richard.gleim https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Gleim
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