Sonnenschein

Die +10°C sind erreicht. Die Sonne brennt vom milchig blauen Himmel, den einige weiße Wolkenfetzen schmücken. Und doch befinde ich mich nicht in Bayern. Dort ist der Himmel bei aller Düsternis der bayrischen, angestrengten Seele und dem permanenten nur bis zum nächsten Berg schauen sicher strahlend blau. Das ist er den Bayrischen Motorenwerken schuldig. Da klatscht der Bayer sich auf die Schenkel und kassiert eifrig ab bei den Touristen, die eben deshalb Bayern aufsuchen und es für Deutschland halten.
Ich hingegen sitze ganz still auf einem Stuhl und lasse mir die Sonne auf den Pelz scheinen. Ich weiß nicht, was für einen Gesichtsausdruck der Beobachter beim mir feststellen würde.
Aber ich erinnere mich an einen der wohl kuriosesten Tadeleinträge ins Klassenbuch. Gibt es das noch, das Klassenbuch? Der Tadel lautete: Richard Gleim wird wegen permanenten Grinsens getadelt. Da half auch nicht mein Einwand, dass ich halt so ein Gesicht habe.

Selbstverständlich hatte ich jeden Grund, amüsiert zu sein. Wie so ein Lehrer sich da mühte, Disziplin und Ordnung – diese reduzierte Ordnung derjenigen, die nur bis zur nächsten Mauer schauen, – durchzusetzen und dann noch krampfhaft versuchten, uns Schülern etwas beizubringen, nach dem wir nicht gefragt hatten und was uns nicht interessierte, während wir in unserer Freizeit malten, schrieben, in Kriegsruinen spielten und Platon und Grimmelshausen lasen. Oder auch Sartre. Später dann zusätzlich Kerouac und Nietzsche, nicht alles verstanden aber gierig in uns aufsaugten. Dabei war es so einfach, den Lehrern zu zeigen, wo der Bär seine Honigwaben findet. Man brauchte sich nur verabreden, mit der gesamten Klasse die ganzen 45 Minuten einer Schulstunde auf die Krawatte des Lehrers zu starren. Das machte so einen Lehrer fertig und das ohne, dass irgendwelche Rüpelhaftigkeiten oder gar Lärm zu bemängeln waren.
Die Gelegenheit, sich als Mensch zu zeigen und wirklich mit uns ins Gespräch zu kommen.
Ich sitz da also in der Sonne und wahrscheinlich lächele ich. Das kann ansteckend sein. Lächelt mit. (Vergesst den Lehrer, den Chef, den grantelnden Kollegen, den kaputten Computer und das nervige iPhone.)
Die Sonne scheint vom milchig blauen Himmel. Man kann es nicht oft genug sagen.

Über Richard Gleim

Richard Gleim Sternstr. 31 D-40479 Düsseldorf Fon: 049-2 11-169 7 169 Mobil: 01577-202 68 44 gleim@unitybox.de http://gnogongo.de http://www.artbookers.com/collections/ar-gee-gleim http://www.facebook.com/richard.gleim https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Gleim
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