Trotzdem-Pflanzen

Gänsedistel – Sonchus arvensis – Asteraceae

Der Untergrund sieht harmloser aus, als er ist. Es handelt sich um eine massive Schotterschicht, die aufgebracht ist, um die Asphaltdecken einer Straße zu tragen. Darunter befindet sich aufgeschütteter Kies und Sand.

Flugfähige Samen sind hier gelandet und wurden vom Regen zwischen die Steine gespült. Die sich zwischen den Steinen haltende Feuchtigkeit reichte aus, um die Samen keimen zu lassen. Der an den Steinen haftende mineralische Staub und die Fähigkeit der Wurzelsekrete der Pflanzen, die diesen Staub lösen und für die Pflanze verwertbar machen können, haben erst einmal ausgereicht, die keimende Pflanze zu ernähren. Hier wird wohl das oberste Gebot gewesen sein, ordentlich Wurzeln zu bilden und sich zwischen den Steinen hindurch ein Terrain zu erschließen, in dem es Wasser und Nährstoffe gibt. Der Kies und Sand darunter ist feiner als die Steine so dass sich zwischen den Sandkörnern und den größeren Oberflächen mehr Feuchtigkeit halten kann als zwischen den groben Steinen. Hier gibt es auch etwas vielfältigere Nährstoffe. Doch das reicht nicht. Irgendwann muss Lehm- oder Mutterboden gefunden werden.

Die oberirdischen hier sichtbaren Teile der Pflanze sind wesentlich kleiner und gedrungener als solche der gleichen Gattung auf besseren Standorten. Die Blattmasse muss gerade mal ausreichen, um per Kohlenstoffassimilation das Wurzelwerk zu bilden und zu ernähren. Auffallend ist die Rot-Färbung der Blätter, die auf der grünen Wiese Reingrün sind. Ich nehme an, dass es sich dabei ebenfalls um eine Anpassung an die harten Bedingungen handelt. Sonnen- und Verdunstungsschutz.

Bald werden die Gänsedisteln tief unten Bodenschichten erreicht haben, die ihnen behagen. Bevor hier Straßen gebaut wurden, gab es eine Brache mit wild wuchernden Kräutern, Büschen und Bäumen. Noch einmal werden die Gänsedisteln heranwachsen und Samen bilden, also einen Jahreszyklus erfüllen. Dann aber wird hier gebaut und wieder sind ein paar Hektar Land versiegelt und der ‚ewige’ Zyklus des Austauschs von Luft und Wasser ist für immer dahin. Kein Sauerstoff wird befreit, kein Kohlenstoff wird gebunden, kein Regenwasser wird der Luft zurückgegeben, keine Luftverunreinigungen werden gesammelt und in harmlose Stoffe umgewandelt. Die Käfigmenschenhaltung wird ausgebaut und rosa kackende Hunde leiden unter der Tierliebe reduzierter Menschen.

Man nennt es nicht mal mehr Fortschritt.

Noch ein Zitat aus wikipedia zur Gänsedistel und ihrem Vorkommen: Diese Art ist in der gemäßigten Zone weltweit, und fast in ganz Europa verbreitet. Als Standort bevorzugt die Ruderalpflanze: Wegränder, Gärten, Weinberge und Äcker, aber auch Sanddünen und Salzsümpfe. In den Alpen ist die Art bis auf 1500 m NN anzutreffen. Generell ist die Acker-Gänsedistel etwas salzertragend und gilt als Lehmzeiger.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.