Wegekreuz Lindenstrasse

Ich hatte mich am Lindenplatz auf eine Bank gesetzt, um in Ruhe eine Zigarette zu rauchen. Dort saß schon ein Eingeborener, der dort seinen Kaffee trank und Zeitung las.

Nach einer Weile sprach dieser mich an und fragte mich auf meine Kamera blickend, ob ich Fotograf sei. Ich verneinte. Eine Weile später, er schien mich als an Allem oder Manchem interessiert zu sein einzuschätzen, begann zu erzählen. Ob ich den Wallfahrtsort da vorne kenne? Ja, es gäbe einen Pilgerpfad durch Düsseldorf. Bei meiner Leibesfülle wär’ das aber wohl nichts für mich. Der Pfad sei 15 km lang und eben hier auf der Lindenstraße sei ein Wallfahrtsort. Er sei nicht katholisch, Gott bewahre. Aber das habe ihn schon interessiert. Hier habe ja auch mal eine Kirche gestanden. Bei der 2. Großscheiße (er meinte den 2. Weltkrieg) sei hier ja Vieles kaputt gebombt dann aber auch wieder aufgebaut worden. Kulturhistorisch sei hier aber so Einiges los.

Ich bedankte mich, ging um das Büdchen auf dem Platz herum und wechselte die Straßenseite. In der Tat, eigentlich nicht zu übersehen, steht da ein Haus mit kirchennotorischen Emblemen überhäuft. 

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Linden-/Hoffeldstraße – Düsseldorf-Flingern-Nord

Ein erhabenes Schild weist das Gebäude als historisches Wegekreuz aus

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Ein weniger schmuckvolles Schild weist darauf hin, dass das Parken von Autos und Hundekot im Bereich des Hauses unerwünscht sind.

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Ein Relief erzählt eine Biblische oder eine Kirchengeschichte. Ich weiß da nicht zu entscheiden.

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Natürlich fehlt auch eine Maria nicht. Hier als recht kitschiges Mosaik aber in den richtigen, von alters her mit Bedeutung aufgeladenen Farben.

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Der Christus am Kreuz leuchtet golden

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Geboren wird er als Rose, sagt ein Schild zu dieser Plakette.

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Ich finde eine Blumenbank noch ganz putzig,

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bis ich auf eine Inschrift stoße.

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Ich übersetzt mal. Christus siegt, regiert und herrscht. Und sein Reich wird kein Ende finden.

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Das muss der Christus der Kirche sein. Mit dem Christus aus der Bibel hat das nichts zu tun. So stellen sich alle simpel Gestrickten die Ordnung vor. Linear, hierarchisch geordnet, leicht und ohne Hirnverrenkung nachvollziehbar. So stellen sich auch alle Herrschenden vor, dass das Volk sie sehen solle. So wollen sie verehrt werden. Hier liegt das Postulat zu herrschen bei der Kirche, die sich mal so eben den Christus ausleiht, um damit ihren eigenen Herrschaftswillen scheinbar auf eine höhere aber virtuelle Macht zu transponieren und so ihre Macht zu festigen und frei von Begründungen für alle Schweinereien zu sein, die ihnen einfallen mögen. 

Ein Trick, der den Mächtigen heute nicht mehr zur Verfügung steht. Ansonsten sind es aber immer noch die Parameter, aus denen die Konservativen linear und für den einfachen Menschen nachvollziehbar ihre Legitimation und ihre Argumentation ziehen. 

Viele glauben
heute noch an eine derart geordnete Welt. Etliche glauben sogar Angela Merkel (George W. Bush, Putin,  Hu Jintao, Berlusconi etc.) und Einige glauben sogar an
sie. Zweifelsfrei. Wie damals im Mittelalter. Dann doch letztendlich von Gottes Gnaden, wie man es in Deutschland ins Grundgesetz aufnehmen möchte.  

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3 Responses to Wegekreuz Lindenstrasse

  1. Rainersacht sagt:

    Am Lindenplätzchen habe ich ein paar Jahre gewohnt und kenne daher die Geschichte dieser Gegend ganz gut. Tatsächlich ist die Lindenstraße fast in ganzer Länge das Überbleibsel der Straße von Flingern nach Düsseldorf. Zudem zweigt sie vom berühmten Hellweg ab – einer uralten Handelsstraße, die seit fast 5.000 Jahren nachweisbar ist. Dieser Hellweg (es gibt mehrere in Deutschland) war die Verbindung von der Elbe zum Rhein, wo er südlich von Ruhrort endete. Tatsächlich stand da, wo das Wegekreuz angebracht ist, keine Kirche, sondern eine Kapelle, die auch nicht dem Weltkrieg Zwo zum Opfer fiel, sondern schon um 1930 herum der Stadtplanung. Gekreuzt haben sich hier eben jene Verbindung Flingern – Düsseldorf und ein Weg, der in nord-südlicher Richtung aus dem Bergischen Land Richtung Köln führte und früher in den Kölner Landstraße überging.

    Übrigens: Der Euler Hof an der Ecke Linden-/Degerstraße ist einer der ältesten Gasthöfe der Stadt und seinerzeit eine Poststation mit Pferdestall und allem Pipapo. Bewirtschaftet wird der Hof übrigens zur Zeit von einer Mädchenclique: Die Wirtin Alisha ist grad mal 22; meine Tochter Lotte (23) kellnert und in der Küche ist Sarah (27) zugangen. Die haben es geschafft, dass der Euler Hof eine waschechte Eckkneipe mit viel Stammpublikum geblieben ist. Sehr zu empfehlen, wenn man keine Lust auf Schickimicki hat.

  2. Rainersacht sagt:

    Ich korrigiere mich nach Lektüre von Wikipedia: Der Düsseldorfer Hellweg ist NICHT Teil des Hellwegs durch das Ruhrgebiet … wusst‘ ich auch noch nicht…

  3. richie sagt:

    Danke für den Beitrag.

    Na, da empfiehlt sich ja ein Besuch des Euler Hofs. Zu gut für ein Bloggertreffen schätze ich.

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